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Synopsis

Viele Dominikaner mit haitianischen Wurzeln erleben gerade einen Umbruch, seitdem ein Ultimatum der Regierung abgelaufen ist, das Dominikaner mit ausländischen Vorfahren dazu auffordert ihren Aufenthalt zu legalisieren. Obwohl sie seit ihrer Geburt im Besitz eines dominikanischen Passes waren, wird nun von konservativen Gruppierungen die Staatsangehörigkeit hunderttausender Dominikaner in Frage gestellt. Ihnen drohen unmittelbar die Entnationalisierung und die Abschiebung nach Haiti.

Julio und Alejandro sind typische dominikanische Kinder: Sie sprechen dominikanisches Spanisch, sie lieben die dominikanische Kultur, sie fühlen sich wie Dominikaner. Jedoch droht auch ihnen, dass ihre dominikanische Staatsangehörigkeit entzogen wird und, dass sie nach Haiti abgeschoben werden; in ein Land, das sie noch nie besucht haben, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Kultur sie nicht kennen.

Über den Film

Das Team.
Santo Domingo. Der alte Toyota-Kleinbus wird beladen. Es ist ein heißer Tag und wir sitzen eng aneinander gequetscht in dem überfüllten Fahrzeug, jeder Zentimeter wird aufs Letzte ausgenutzt. Zwischen Kochbananen und Hühnern findet noch ein ganzer Friseurstuhl Platz. Und trotzdem bleibt vor mir ein Sitzplatz frei. Es stellt sich heraus, dass niemand neben dem Haitianer sitzen möchte. Eine Situation, die das angespannte Verhältnis zwischen Dominikanern und Haitianern versinnbildlicht.

Nachdem ich ein Jahr in der Dominikanschen Republik gelebt und gearbeitet hatte, fand ich mich öfter in solchen Situationen wieder. Mir wurde bewusst, dass es vielschichtige Gründe für die schwierige Beziehung zwischen den beiden Nationen gibt, die auf die Kolonialzeit, ihre gemeinsame Geschichte und politische Umstände zurückzuführen sind. Oder auf die Tatsache, dass sie sich eine kleine Insel in der Karibik teilen.

Bei den Dreharbeiten.

Und das ist nicht leicht, wenn der Nachbar eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt ist. Aus diesem Grund verlassen Millionen Haitianer seit Jahrzenten ihr Land auf der Suche nach einem besseren Leben. Und das vor allem in der Dominikanischen Republik, mit der sie sich die einzige Landesgrenze teilen.

2013 ändert sich die Situation für Dominikaner mit haitianischen Wurzeln schlagartig. Nach einem Urteil des Verfassungsgerichts soll allen Nachkommen von Immigranten die Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Genau diese Betroffenen hatte ich ein Jahr zuvor in dem Sozialprojekt Café con Leche kennengelernt.

Als die politische Entwicklung immer deutlicher wurde, beschlossen Zoltan und ich uns aufzumachen, um dieses Thema zu dokumentieren, das kaum jemandem bekannt war, während in Deutschland die Berichterstattung über eine aufkommende Flüchtlingskrise in vollem Gange war.

Das Produktionsbüro.

Wir konnten nicht mit einem großen Produktionsteam oder finanziellen Mitteln rechnen, sondern nahmen nur unsere Kameras mit um unseren Film allein mit dem, was uns zur Verfügung stand, zu realisieren. Wir mieteten eine Wohnung mitten in einem Barrio von Santo Domingo, die unser Produktionsbüro werden sollte. Dort lieh ein Freund uns Mikrofone und fehlende Technik und damit war unser Filmteam, bestehend aus zwei Personen, komplett.

Julio und Alejandro, die Protagonisten unseres Films, konnten wir von dort aus täglich besuchen und fuhren in alle Ecken des Landes, um Politiker, Juristen und Aktivisten zu treffen.

Daraus enstand ein Film, der die Situation möglichst so wiedergeben sollte, wie wir selbst sie beobachteten. Indem wir beiden Seiten des Konflikts zuhörten, ein Bild der Umstände und Hintergründe schufen und uns im Besonderen mit den betroffenen Jugendlichen beschäftigten. Ein Film, der keine Antworten vorgibt, sondern Fragen aufwirft und dazu auffordert, selbst den Zusammenhang herzustellen.